Was ist Bitcoin? Hier gehts zum Start der 6-teilige Serie: Was Sie schon immer über Bitcoin wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten. 

 

„Eine Beschreibung von diesem Ding fürs allgemeine Publikum zu schreiben ist verdammt schwer. Es gibt nichts, was ihm ähnlich wäre“, Satoshi Nakamoto, Bitcoin-Erfinder oder Erfinderin[1]

 

„Du verstehst Bitcoin nicht. Und das ist in Ordnung – denn es versteht auch sonst niemand. Das Tao von Bitcoin ist nicht, Bitcoin zu verstehen, sondern Bitcoin als das zu akzeptieren, was es ist“, Jameson Lopp, Bitcoin-Programmierer[2]

 

Die Komplexität von Bitcoin drückt Entwickler Jameson Lopp in einem Tweet wie folgt aus:

Anzahl an wissenschaftlichen Artikeln, die auf Google zu Bitcoin zu finden sind.

 

Diese drei Statements sind zu erst einmal etwas entmutigend. Einerseits sollte sich jeder mit der Materie auskennen, denn sie wird in Zukunft Einfluss auf unser Leben haben. Andererseits hat das was mit Computern, Geld und Mathematik zu tun und klingt sehr schwierig. Um ersteren genüge zu tun und die geschätzten Leser nicht mit zu viel des Zweiten zu frustrieren, ist dieser Text gedacht. Neben dem Nutzen und der Notwendigkeit von Bitcoin wird es auch um Computer, Geld und Mathematik gehen. Doch der Autor möchte alle Elemente leicht verständlich, um Zusammenhang bemüht und unterhaltsam beschreiben.

Bitcoin ist komplex, da es eine Vielzahl von unterschiedlichen Thematiken berührt. Es geht um alle Aspekte des Geldes, allgemeine Ökonomie, Mathematik, Sozialpolitik, die dem Internet zugrunde liegende Technologie, Softwareentwicklung, Privacy (Privatsphäre), Kryptografie und irgendwo kommt auch noch Spieltheorie und Geldpsychologie hinzu.

Aus der Sicht des Autors scheitern viele Bitcoin-Texte daran, dass sie das Wissen eines oder mehrerer der oben genannten Aspekte voraussetzt und die Leser irgendwann mit einem großen Fragezeichen zurücklässt. Daher soll dieser Text auch dazu dienen, die Fragezeichen aufzulösen. Daher ein zweites Mal die Frage:

 

Was ist Bitcoin?

 

„Blockchain kombiniert die Offenheit von Demokratie und Internet mit der Leistung des Marktes. Blockchain bringt das Modell des Marktes an Orten, wo es vorher nicht hin konnte. Die offenen, leistungsbasierten Märkte von Blockchain können Netzwerke ersetzen, die früher von Königen, Unternehmen, der Aristokratie oder des Pöbels kontrolliert wurden.“, Naval Ravikant, Startup-Investor

 

Was kann Bitcoin als Technologie?

Bitcoin ist eine digitale Währung, doch sie ist mehr als das. Sie beruht auf einer Technologie, die als Blockchain bezeichnet wird. Tatsächlich ist Bitcoin selbst nichts revolutionäres, Blockchain hingegen schon. Letzteres hat das Potential unser Leben so zu verändern, wie es zuletzt das Internet getan hat.

Blockchains Geld-Merkmale verbinden die Anonymität von Bargeld mit der Bequemlichkeit von Online-Banking. Da es dezentralisiert ist, werden Banken und deren Gebühren theoretisch überflüssig. Nur eine von acht Milliarden Menschen auf der Welt hat Zugang zu einem Bankkonto. Dank Blockchain könnten jedoch weitere 2,5 Milliarden – Menschen mit Zugang zum Internet– an den Vorteilen bargeldlosen Transfers teilnehmen.

Doch die Technologie hat auch abseits des Bankwesens enormes Potential, sie kann überall dort eingesetzt werden, wo es zuvor Bedenken wegen Sicherheit und Zentralisierung gab. Beispiel digitale Patientenakte: Bei jedem Arztbesuch, besonders jedoch in Notfällen, wäre es von Vorteil, wenn die Ärztin eine komplette Patientenakte mit früheren Befunden einsehen könnte. Die Technik und Versuche der Umsetzung gibt es seit Jahren.

Doch der „Markt“ – die Patienten – lehnen die digitale Patientenakte aus gutem Grund ab. Sie fragen sich: wo werden meine Daten gespeichert? Wer hat Zugang dazu? Was passiert, wenn meine Daten an die Krankenversicherung oder gar an meinen Arbeitgeber weitergegeben werden? Wer hat die Kontrolle? Die Antworten darauf sind beunruhigend: Die Daten werden zentral auf einem Server eines (kommerziellen) Betreibers gespeichert. Die Eigentümer – also die Patienten – haben keine Kontrolle, was mit ihren Daten geschieht. So könnten die Betreiber trotz aller Versprechen die Daten heimlich weitergeben. Zusätzlich sind zentrale Datenspeicher ein unglaubliches Risiko. Fast wöchentlich berichten Nachrichtenmedien davon, dass Nutzerdaten, Passwörter und Kreditkartendaten im großen Stil gestohlen werden.

Blockchain kann diese Probleme lösen. Dazu werden die Daten dezentral auf tausenden Rechnern gespeichert. Nicht mal die Betreiberfirma der digitalen Patientenakte könnte bei Einsatz der Blockchain-Technologie auf die einzelnen Akten zugreifen. Denn Blockchain ermöglicht Transparenz. Jeder Benutzer kann sich davon überzeugen, was der Betreiber kann und was nicht. Zusätzlich ist die Patientenakte durch modernste Verschlüsselungstechnologie gesichert. Weder Betreiber noch Dritte können die Daten einsehen. Die einzige Person, die Zugriff hat und Ärzten Einsicht geben kann ist der Patient.

Ist das neu? Ist das wichtig? Wie lassen sich die Kern-Eigenschaften Dezentralisierung, Transparenz und Verschlüsselung in unser normales Leben einordnen? Die Kombination dieser Merkmale gibt es erst seit 2009, als Bitcoin entwickelt wurde. Dazu bedurfte es sowohl des Internets (für die Dezentralisierung) als auch der Lösung eines mathematischen Problems, das die Menschheit lange Zeit beschäftigte.

 

Das war Teil 1: Was ist Bitcoin. Lesen jetzt weiter: 2. Was Bitcoin ist (die vereinfachte Version)


Fussnoten zu Was ist Bitcoin – der Guide

[1] Satoshi Nakamoto ist ein Pseudonym, es ist nicht bekannt, wer dahinter steckt und ob es eine Frau, ein Mann oder eine Gruppe ist. Dieses Zitat, 5.7.2010: http://satoshi.nakamotoinstitute.org/posts/bitcointalk/167/ (abgerufen am 1.8.2017)

[2] Erster Satz, 12.3.2017, Twitter: https://twitter.com/lopp/status/841370581366915072 . Zweiter Satz: 11.3.2017: https://www.coindesk.com/nobody-understands-bitcoin-thats-ok/ (abgerufen beides am 1.8.2017)

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