Ripple ist gegenwärtig die drittwertvollste Kryptowährung nach Bitcoin und Ethereum. Die Währung mit dem Kürzel XRP ist ein Token des Unternehmens Ripple Labs. Wer am 1. Januar des vergangenen Jahres für 100 Euro Ripple gekauft hat, konnte sich am 1.1.2018 über 36.000 Euro freuen. Die Summe aller Ripple Token hat eine Marktkapitalisierung von 89 Milliarden US-Dollar. Der Gründer war zu Beginn dieses Jahres ganz weit vorn in der Liste der reichsten Menschen.
Sind diese Token 89 Milliarden wert? Sicher nicht. Doch welchen wirklichen Wert haben sie? Ich denke: 0. Hier dazu meine Argumentation.

Was Ripple tun soll

Wenn Banken Geld über Landesgrenzen transferieren, verwenden sie den Dienst (und die Technologie) von Swift. Das ist ein Protokoll aus den frühen 1970er Jahren. Es ermöglicht digitalen Transfer von Geld zwischen Banken, ohne dass echte Geldscheine hin und her geschickt werden müssen. Swift ist einer der Grundpfeiler, die unsere heutige, globalisierte Geldwirtschaft erst ermöglicht haben. Swift ist teuer, langsam und umständlich. Auf der anderen Seite funktioniert es seit vier Jahrzehnten auch mit permamenter Zunahme an Geldtransfers.
Ripple Labs hat nun ein auf Blockchain-Technologie beruhendes Protokoll erfunden, das Swift ersetzen soll. Wenn es denn flächendeckend eingeführt wird, ersetzt es Swift und alle seine Nachteile. Der Bedarf und das Interesse der Banken ist vorhanden und groß. Wenn Geldtransfer fast nichts mehr kostet, ersparen sich die Institute Milliarden. Wenn sich Ripple Labs am Markt durchsetzt, dann wird das Unternehmen ebenso Milliarden Dollar wert sein.

XRP ist nicht Ripple Labs

Wenn Sie Apple-Aktien besitzen, gehört Ihnen ein Teil des Unternehmens. Sie haben (manchmal) Anspruch auf Gewinnbeteiligung in Form einer Dividende. Oder gar ein Stimmrecht über die grundsätzliche Ausrichtung des Unternehmens. Der Wert der Aktie beruht ähnlich wie bei allen Investitionsformen auf den Glauben an die zukünftige Rentabilität des Unternehmens. Diese wird jedoch gestützt durch den Besitz und die damit verbundenen Rechte.
Der XRP-Token von Ripple ist wie praktisch jeder andere Krypto-Token nicht an das Firmenkapital gebunden. Wer XRP hält, besitzt … nichts außer dem Token. Kein Besitz, keine Dividende, kaum Rechte. Der Preis von XRP korreliert kaum mit dem Unternehmen Ripple Labs, sondern ausschließlich mit der Erwartung der Käufer nach einem zukünftig höheren Verkaufspreis. Das mag den Preis nach oben bringen, aber nicht den Wert.

Utility ist kein Wert an sich

Krypto-Token kann man in drei Gruppen teilen: Währungen (wie Bitcoin, Dash, Monero), Wertanlagen (so wie Aktien oder Schuldverschreiben) und Utility-Token. Letzere werden verwendet um eine Dienstleistung zu bezahlen. Im Casino kauft man mit Euro ein paar Jetons, die man dann zum Spielen verwendet. In der Kryptowelt kauft man Ether um die Nutzung des Supercomputers von Ethereum zu bezahlen. Oder eben XRP um damit den Geldtransfer zu bezahlen. Utility-Token sind eine Währungen, um Gebühren zu entrichten.

XRP hat keinen Wert

Ripple wird in der Kryptoszene vorgeworfen, keine echte Blockchain zu sein. Denn sie sei zentral gesteuert, intransparent, habe kein Mining und würde von einem Unternehmen kontrolliert. Doch das ist für den Zweck nichts schlechtes. Schließlich leben die Banken seit 45 Jahren sehr gut mit einem zentralisierten Swift. Doch das Problem liegt woanders: XRP wird nur von Banken verwendet. Doch der Token ist an öffentlichen Börsen handelbar. Das ist sinnlos, denn ich persönlich habe keinen Bedarf nach Ripple, außer zu Spekulationszwecken. Spekulation bedeutet Preisschwankungen und das ist für Banken ein Horror. Man stelle sich vor, eine Überweisung von Wien nach Timbuktu kostet heute 3 Cent und morgen 25 Euro. Damit XRP als Utility-Token verwendet werden kann, muss er vom öffentlichen Markt verschwinden. Und damit sinkt der Preis auf seinen tatsächlichen Wert.

Kein Utility Token ist eine Wertanlage

Spätestens seit der Industrialisierung vor 200 Jahren ist unser Wirtschaftssystem nach diesem Grundsatz aufgebaut: Je mehr von einer Ware produziert wird, desto günstiger der Stückpreis. Je mehr ein Dienst genutzt wird, desto günstiger die einzelne Verwendung.
Doch wie funktionieren Krypto-Token? Je mehr sie verwendet werden, desto größer die Nachfrage. Je größer die Nachfrage, desto teurer der Preis. Das Prinzip Token ist im Widerspruch zu unserer Wirtschaft.

Was unterm Strich übrig bleibt

Damit der Token nicht in diesem Widerspruch hängen bleibt, darf er nicht für die Leistung verwendet werden. Es gibt schon jetzt viele Blockchain-Projekte, die zwei Token haben. Einen um Geld einzusammeln (spekulativ) und einen zweiten, stabilen zum verwenden der jeweiligen Plattform.
Mit so einer Lösung wäre der Token XRP von seiner ursprünglichen Verwendung abgekoppelt. Es bliebe ihm nur mehr der Unternehmenswert. Doch halt: den gibt es ja nicht. Und werttechnisch wird es noch ungemütlicher. Wenn ein börsennotiertes Unternehmen neue Aktien ausgeben möchte, dann müssen die gegenwärtigen Aktienbesitzer darüber abstimmen. Denn mit neuen Aktien wird der Wert jeder einzelnen Aktie verdünnt. Es ist nicht nur so, dass bei XRP ausschließlich das Unternehmen darüber entscheidet, sondern sie haben mehr als die Hälfte aller XRP nicht auf den Markt gegeben. Der Wert von XRP liegt also nicht in der Hand des Marktes, sondern kann (und wird) von Ripple Labs manipuliert.
All dies passiert, während Ripple Labs das Unternehmen besitzt. Sie können nun jederzeit an eine konventionelle Börse gehen und echte Aktien mit Besitzrecht ausgeben. Sie können also ein zweites Mal Kapital aufnehmen und nur einmal dafür Anteile hergeben. Dann schauen XRP-Besitzer eindeutig durch die Finger.

Dies gilt nicht nur für Ripple Labs, sondern für jeden Krypto-Token, der keine Währungsfunktion hat.
Daher denke ich, dass XRP keinen Wert hat. Und die meisten Token auch nicht. Ich bin allerdings offen für Diskussion.

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6 Kommentare

  1. Stimme dir zu! Sie könnten die Gesamtanzahl an XRP in Aktien umwandelt, dann hätte XRP einen Wert. Jeder der damit zahlt, gibt einen Teil des Unternehmensanteils weiter, ein intrinsischer Wert so wie bei Gold, oder wie bei einer goldgedeckten Währung. Muss ja nicht gleich ein Stimmrecht sein, und wenn, dann hat die Firma immer noch mehr als 50% Eigenkapital, nachdem nur 39% am Markt sind.
    Rechtlich wäre dafür wohl ohne Gesetzesänderung in den USA nötig, grundsätzlich denkbar als Finanzprodukt aber schon, quasi Crypto-Shares (Bezeichnung copyright by me!) die mit dem Wert des Unternehmens (oden den Erwartungen darauf) steigen und fallen können.
    Die Wahrscheinlichkeit dass Ripple Labs so einen Schritt wagt, geht gegen Null. So wie der Wert von XRP, …

  2. „Wenn Sie Apple-Aktien besitzen, gehört Ihnen ein Teil des Unternehmens???“
    Angebot und Nachfrage bestimmt den Preis und somit ist es nicht viel besser als bei Krypto-Tokens.

  3. Interessanter Artikel. Doch kurzfristig gesehen sind die Ripple noch im starken Momentum. Ist nicht alles eine Art Crypto Blase? Wo siehst du das den Wert der anderen Kryptowährungen?

    • marcellchester on

      Danke für deinen Post! Alle Werte sind überbewertet. Mit Ausnahme von Bitcoin vielleicht. Preis und Wert liegen nach meinem Dafürhalten bei allen Altcoins weit auseinander…

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