Wer hätte es gedacht, der Begriff „Bank“ für „Geldhaus“ stammt von den Geldwechslern und Geldverleihern in Florenz und Pisa des 15. Jahrhunderts, die am Marktplatz auf banci – Bänken sitzen. Die berühmtesten dieser Bankdrücker sind die Medici, die vor allem durch das Verrechnen von Spesen beim Wechseln verschiedenster Währungen reich und mächtig werden.

Während Spanien im 17. Jahrhundert langsam in die globale Bedeutungslosigkeit versinkt, entwickeln andere Länder neue Finanzinstrumente um ihr Wirtschaftswachstum zu beschleunigen. Die Amsterdamer Wechselbank erfindet nach 1609 das standardisierte Währungskonto und führt moderne Finanzinstrumente wie Schecks, Direktabbuchungen und Überweisungen ein.

Das klingt zuerst recht langweilig, ist aber nach der Münze der nächste große Sprung in der Entwicklungsgeschichte des Geldes. Münzen ermöglichen es, beliebig viele serielle Transaktionen durchzuführen. Doch Münzen sind durch ihre begrenzte Anzahl limitiert sowie unbequem und unsicher im Transport. Eine Überweisung vom Konto des einkaufenden Händlers auf das Konto des Lieferanten ist für die „Wisselbank“ nur zwei Zeilen in deren Kontobuch. Abbuchung Händler. Zubuchung Lieferant. Doch schon kommt Unbehagen auf. Wir wissen doch, für jeden Thaler, der überwiesen oder als physische Münze ausgezahlt wird, muss vorher einer als physische Münze eingezahlt worden sein.

Doch betrachten wir die Sache aus der Perspektive der Wisselbank. Sie nimmt eine gewissen Mengen an Geld in Form von Münzen ein, lagert sie im Keller und schreibt in dem großen Kassenbuch die Summe dem Konten ihrer rechtmäßigen Besitzer zu. Solange die Münzen nicht ausbezahlt werden, kann die Bank damit tun und lassen, was sie will. Die Bankiers könnten mit dicken Geldbeuteln abhauen und keiner merkt es (für eine gewisse Zeit).

Wenn wir Bargeld verewenden nutzen, vertrauen wir dem Staat, dass wir für das Geld etwas gefühlt gleichwertiges bekommen. Sobald wir aber ein Bankkonto benutzen, vertrauen wir der Bank. Einerseits, dass sie uns das Geld auf verlangen wieder zurück gibt. Und andererseits, dass eine Überweisung auch beim anderen ankommt und diese Person es in Bargeld umtauschen kann.

 

Das bringt den nächsten Merksatz zum Verständnis von Bitcoin: Eine Überweisung ist die Übereinkunft zwischen Sender, Empfänger und der vermittelnden Bank, dass die Transaktion durchgeführt, von einem Konto abgebucht und auf ein Konto zugebucht wurde. Sender und Empfänger akzeptieren das Wort der Bank. Die Rolle als unparteiischer Dritter ist das Geschäftsmodell der Bank. Das lässt sie sich bezahlen und das gibt ihr so viel Macht.

 

Die Wisselbank in Amsterdam will sich das Vertrauen seiner Kunden erarbeiten. Um zu garantieren, dass sie jederzeit jedes Konto ausbezahlen können, horten sie in ihrem Tresor genug Metallmünzen. Das Ziel: für jeden Florin am Konto – einen als Münze im Keller. Noch im Jahr 1760 betragen die Bankeinlagen 19 Millionen Florin und die Geldreserve in Metall 16 Millionen. Das Geld ist also sicher, selbst wenn fast alle Kunden es zum selben Zeitpunkt abheben würden.

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