Ein Gastbeitrag von Dr. Carmen Schneider, Partnerin DWF Germany


Blockchains lassen sich (vereinfacht) zusammengefasst als verteilte Datenbanken beschreiben, die von ihren Nutzern selbst verwaltet werden. Sinn und Zweck dieser Datenbanken ist es, Informationen, insbesondere Transaktionen, dezentral und unveränderlich abzuspeichern und darzustellen.

Wird eine Information bzw. Transaktion an das Blockchain Netzwerk übermittelt, wird sie auf allen in der Blockchain vernetzten Rechnern gespeichert. Dies geschieht in der Weise, dass mehrere Transaktionen in Blöcken (“blocks“) zusammengefasst werden. Diese Blöcke von Informationen werden sodann von den Teilnehmern des Netzwerks selbst nach bestimmten Vorgaben verifiziert. Verifiziert die Mehrheit des Netzwerks die Informationen, wird der gesamte Block verschlüsselt und unveränderlich in der Blockchain gespeichert. Jeder Block enthält dabei die Prüfsumme des vorherigen Blocks und wird dadurch „untrennbar“ mit diesem verbunden – so entsteht die Blockchain. Durch diesen Prozess werden die in der Blockchain gespeicherten Daten immer „nur“ ergänzt, aber nicht verändert oder überschrieben. Auf diese Weise bleibt die gesamte Transaktionshistorie für jeden Teilnehmer der Blockchain nachvollziehbar. Dies führt wiederum dazu, dass die in der Blockchain gespeicherten Daten faktisch fälschungssicher sind. Denn um diese (unbemerkt) zu verändern, müsste quasi die gesamte Blockchain verändert werden, damit die Prüfsummen aller Blöcke wieder korrekt sind.

Arten der Blockchain

Während die grundlegende Technologie unverändert bleibt, kann zwischen verschiedenen Arten der Blockchain unterschieden werden. So gibt es öffentliche, private und konsortiale Blockchains: An öffentlichen Blockchains können grundsätzlich unendlich viele Netzwerkteilnehmer partizipieren, die alle dieselben Berechtigungen haben und Transaktionen validieren können. An privaten Blockchains hingegen kann nur ein ausgewählter und begrenzter Kreis von Netzwerkteilnehmern partizipieren; zudem haben nicht alle Teilnehmer die gleichen Berechtigungen innerhalb der Blochchain. Auch existiert (noch) oftmals eine zentrale Instanz innerhalb einer privaten Blockchain. Die konsortiale Blockchain („Special-Purpose-Blockchain“) ist eine semi-private Blockchain und damit ein Kompromiss zwischen der öffentlichen und der privaten Blockchain.

Kryptowährungen

Das Grundkonzept der Blockchain existiert bereits seit einigen Jahren – weitreichende Bekanntheit erlangte es allerdings erst mit Entwicklung der Kryptowährung „Bitcoin“ als erster richtiger „Anwendungsfall“ der Blockchain im Jahr 2008. Die hinter dem Bitcoin stehende Grundidee ist es, eine funktionsfähige Währung zu erschaffen, die unabhängig ist von Banken und sonstigen zentralen Institutionen. Die Abwicklung von Transaktionen mit der Kryptowährung Bitcoin erfolgt sodann über eine Blockchain. Bitcoin und Blockchain sind daher nicht – wie vielfach angenommen wird – gleichzusetzen. Vielmehr stellt der Bitcoin lediglich eine Anwendungsmöglichkeit der Blockchain-Technologie dar. Eine weitere Kryptowährung, die große Bekanntheit am Markt erreicht hat, ist Ether. Diese Währung wird zur Bezahlung innerhalb von Ethereum-Blockchains verwendet, die auf dem Konzept von Bitcoin aufbauen.

Das Konzept von Kryptowährungen ermöglicht zudem die Methode des „Initial Coin Offerings“ („ICO“), einer Art Crowdfunding, bei dem Token an Anleger verkauft werden, wodurch die Finanzierung des Projekts erfolgt. Die Token können dabei im Grunde jedes beliebige Rechtsverhältnis oder jede beliebige Struktur abbilden – so kann es sich beispielsweise um eine neu emittierte Kryptowährung handeln oder um Erlösbeteiligungen oder Nutzungsrechte an dem zu finanzierenden Projekt.

Das Potential von Kryptowährungen bzw. der Tokenisierung kann auch in der Energiewirtschaft genutzt werden. So existiert zum Beispiel bereits der SolarCoin – ein Blockchain-basierter Token, den PV-Anlagen-Betreiber für jede produzierte MWh Solarenergie erhalten1. Die SolarCoins können über eine Blockchain gehandelt werden.

Smart Contracts

Die Ethereum-Blockchain ermöglicht nicht nur die Abwicklung von Transaktionen, sondern auch das Programmieren von sogenannten Smart Contracts. Hierbei handelt es sich nicht (zwingend) um Verträge im juristischen Sinne, sondern um automatisch ausführbare Programmcodes, die vorgegebene Transaktionsregeln abbilden. Der Smart Contract überprüft, ob alle zuvor festgelegten Bedingungen erfüllt sind. Ist dies der Fall, wird die Transaktion automatisch über die Blockchain abgewickelt. So könnte beispielsweise bei einem mittels Smart Contract geleasten Fahrzeug der Motor nur dann gestartet werden, wenn vorher die Leasingrate gezahlt wurde – eine Bedingung, die der Smart Contract selbstständig überprüft. Durch die Anwendung von Smart Contracts können damit Prozesse automatisiert werden und die Einschaltung eines Intermediärs erübrigt sich, was letztlich zu Kosteneinsparungen führt.

 


Dr. Carmen Schneider , Partnerin, Leiterin Energierecht (Deutschland)
Die Verfasserin ist Partnerin bei DWF Germany in Köln und dort Leiterin der Praxisgruppe Energierecht. Sie ist Mitglied des Energieausschusses im Blockchain Bundesverband.

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